Offene Jugendarbeit Winterthur?
? Offene Jugendarbeit Winterthur

Community Arts ist mehr als nur Kunst – es ist eine Bewegung, die in England aus Protest gegen soziale Ungleichheit und den Ausschluss marginalisierter Gruppen aus dem Kulturbetrieb entstand. Ursprünglich wurde Community Arts als kritische Reaktion auf den begrenzten Zugang zu kulturellen Ressourcen ins Leben gerufen. Community Arts bietet bis heute Menschen, die von Klassismus oder Diskriminierung betroffen sind, die Möglichkeit, kreative Freiräume zu entwickeln und sich aktiv in künstlerische Prozesse einzubringen.

Gerade für Menschen in schwierigen sozialen Lebenslagen kann die Teilnahme an Community Arts-Projekten transformativ sein. Der kreative Ausdruck eröffnet Räume, in denen Zugehörigkeit erlebt und Selbstwirksamkeit gestärkt wird. Es geht nicht nur darum, Kunst zu schaffen, sondern um die Begeisterung und den Stolz, die aus der Sichtbarmachung der eigenen Kunst entstehen. Dieser Stolz, die eigene Stimme und Perspektive einzubringen, kann als befreiender Schritt verstanden werden. Ein Moment, der Menschen inspiriert und nachhaltig stärkt.

Community Arts zeigt: Kunst ist nicht nur für Wenige, sondern ein Ausdruck des Menschseins, der allen zusteht. Sie ermutigt uns, kreative Prozesse als Motor für sozialen Wandel zu erkennen – und die Begeisterung zu feiern, die entsteht, wenn Menschen ihre Kunst mit der Welt teilen.

Damit künstlerische Prozesse in sozialen Systemen nachhaltig wirksam werden können, benötigen Community Arts Facilitator spezifische Kompetenzen, die sowohl in den Künsten als auch in der Sozialen Arbeit von zentraler Bedeutung sind. Sie müssen über fundierte Kenntnisse der Bedürfnistheorie (Obrecht) verfügen, um die Bedürfnisse der Menschen zu erkennen und darauf einzugehen. Darüber hinaus ist eine machtanalytische Reflexion des eigenen Handelns sowie der gruppendynamischen Prozesse unerlässlich, wie sie in der Theorie von Staub-Bernasconi beschrieben wird. Ergänzend dazu brauchen sie kreatives Methodenwissen, um innovative Ansätze in der Arbeit mit Gemeinschaften zu entwickeln. Ein tiefes Verständnis der Prinzipien von Community Arts – Partizipation, kulturelle Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Inklusion, Gastfreundschaft und Interdisziplinarität – bildet die Grundlage für eine gelingende Gestaltung dieser Prozesse. Diese Fähigkeiten ermöglichen es, künstlerische und soziale Praktiken miteinander zu verknüpfen und so transformative Erfahrungen zu schaffen.

Quellen

  • Obrecht, W. (1994). Bedürfnistheorie und Sozialarbeit. In: Zeitschrift für Sozialpädagogik, 12(4), 45–59.
  • Staub-Bernasconi, S. (2018). Menschenrechte und soziale Arbeit: Theorien und Grundlagen für die Praxis. Beltz Juventa.
  • Higgins, L. (2012). Community Music: In Theory and in Practice. Oxford University Press